a penny

Als ich 1984 im damaligen Interzonenzug beim Grenzübergang Gerstungen die DDR verlies, machte ich die Bekanntschaft eines DDR-Grenzers an die ich mich noch immer, selbst jetzt nach über 27 Jahren erinnere.

Was hatte ich erwartet? Meine letzten Monate in der DDR waren geprägt von Angst und Schikanen, von Inhaftierungen durch die Staatssicherheit und oft von Hoffnungslosigkeit. Die Ausreise sollte ein Befreiungsschlag werden. Der letzte Kontakt mit DDR Behörden war dann eben dieser DDR-Grenzer, der meine Papiere überprüfte. Distanziert, korrekt, mehr oder weniger emotionslos. Als er fertig war und das Abteil verlies, waren seine letzten Worte an mich:

„Und haben Sie einen guten Start im Westen!“.

Der Zug fuhr an, kein Donner oder Blitz markierte den eigentlichen Grenzübergang, das Überqueren der Grenzlinie – so wie ich es eigentlich erwartet hatte. Die unerwarteten Worte dieses letzten Vertreters eines Regimes, das ich jetzt verlassen hatte, hatten mich überrascht. Und auch heute noch denke ich an diesen Grenzer, dem ein menschlicher Abschiedsgruß wichtig war.

Warum schreib ich dies hier? Weil ich denke dass es wichtig ist, aufeinander zuzugehen. Selbst wenn man aus vollkommen verschiedenen Umfeldern kommt, selbst wenn man vollkommen verschiedene Überzeugungen hat. Oft erlebt man beim Kennenlernen eine Überraschung.

%d Bloggern gefällt das: