Gut drei Jahre ist es her, dass ich meine Mitarbeit beim Politblog PI-News beendet habe. Und rückblickend kann ich ehrlich sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Man möge mich nicht falsch verstehen: noch immer sehe ich bestimmte Wesenszüge des Islam als eine Bedrohung der in Europa durch Jahrhunderte erstrittenen Freiheitsrechte. Ich denke hier zum Beispiel an Frauen – und Minderheitenrechte.
Aber: es geht hier um Menschen, um das zwischenmenschliche Miteinander. Es sollte uns bei allem was wir tun darum gehen, diese unsere Welt besser zu machen. Dies erreicht man nicht, indem man sich gegenseitig verletzt.
Ein Beispiel, die Mohammedkarrikaturen. Warum muss man diese Art von Zeichnungen abdrucken? Wegen der Pressefreiheit? Blödsinn, ganz einfach dummer und gemeiner Blödsinn. Warum gemein? Weil damit die Gefühle der moslemischen Gläubigen verletzt werden. Und dies sollte nicht unser Ziel sein.
Zum Vergleich: Ich als Christ wehre mich ebenfalls gegen die beleidigende Darstellung von Jesus Christus zum Beispiel auf dem Titanic Titelbild letztes Jahr. Es tut mir weh, es verletzt mich, wenn ich sehe dass Jesus Christus respektlos dargestellt wird. Und deshalb kann ich die Wut des moslemischen Gläubigen verstehen.
In Deutschland erklärt man leicht sein Gegenüber zum Erzfeind, nur weil dieser eine andere Kaffeesorte bevorzugt. Ein einfaches: “wir stimmen überein, dass wir eine andere Meinung haben und wir mögen uns trotzdem noch” – ist in Deutschland eher die Ausnahme. Man möge mich berichtigen. Es ist mir einfach zu anstrengend, ständig voller Misstrauen zu sein. Ich ziehe es vor, auf meine Mitmenschen voller Vertrauen zuzugehen. Ab und zu werd ich enttäuscht, na und? Das ist das Leben. Und genau dies wünsch ich den Deutschen im Umgang mit dem Islam. Ob der jetzt zu Deutschland gehört oder nicht, ist vollkommen egal. Die Menschen sind da und nur sie sind wichtig. Und sie sind meistens gut.
Und ich denke, hier kann Deutschland sehr viel von Südafrika lernen. Man geht bei uns am Kap einfach freundlicher, respektvoller miteinander um. Der Mensch als Individuum ist wichtig, nicht als Meinungsträger.
In den letzten drei Jahren habe ich mich in die Arbeit gestürzt, habe Erfolge und Misserfolge gehabt. Ja es gibt auch in Südafrika Menschen, denen ein ruhiges Wochenendapartment wichtiger als ein kostenloser Kindergarten für Kinder aus einkommensschwachen Familien ist und die sich mit allen legalen und halblegalen Mitteln dagegen wehren. Mein Kindergartenprojekt musste ich deswegen nach 18 Monaten wieder schliessen. Aber es gibt auch Menschen die in einfachsten Verhältnissen leben und trotzdem verstossene Kinder aufnehmen und ihnen Liebe und Geborgenheit geben. Ich bin stolz, ein solches Heim unterstützen zu können.
Wir haben mehrere Projekte aufgelegt, bei denen unsere Sprachstudenten aus der ganzen Welt diese Arbeit kennenlernen und teilnehmen können. Diese werden wir im nächsten Jahr weiter ausbauen.
Deutschland ist weit weg. Wir haben hier unten am Kap unsere eigenen Probleme. Rückblickend kann ich trotzdem sagen, dankbar sein zu können. Dankbar, weil ich durch das Beschäftigen mit dem Islam meinen eigenen Glauben, mein christliches Bekenntnis wieder Ernst nehme. Und durch einfaches Vertrauen in die Liebe Gottes Schwierigkeiten, Anfeindungen, Beleidigungen und schlimmste Verleumdungen hinnehmen konnte.
Ich wünsche allen die dies lesen, eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest. Und ein friedliches 2011, das – so wird man mir hoffentlich zustimmen – bei uns und im Umgang miteinander beginnt.