Der Tag als der Sack Reis umfiel
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Ulli Hoeneß – WM in Südafrika ist ein Fehler
Da stellt sich doch der Ulli Honeß hin („Ein Leben für den FC Bayern“) und meckert dass die Fifa die Fussball WM nach Südafrika vergeben hat. Klar, wir dummen Südafrikaner können ja eh nix. Und das wird ein Riesenchaos werden und die Tickets sind zu teuer und die Stadien halb leer. Und um Himmels Willen, die Sicherheit und die Kriminalität!!!
Ganz anders sieht es da doch mit der Olympia Bewerbung Münchens für 2018 aus. Deutsche Perfektion und dann noch dazu in Hoeneß’ Lieblingsstadt! Wieso nur kommen dem Verfasser jetzt die lachhaften Sicherheitsvorkehrungen bei der letzten Olympiade in München 1972 ins Gedächtnis? War da nicht was? Schwamm drüber, so ein paar tote Israelis sind schnell vergessen, wenn man in München gemütlich bei Weißwurst und Weizenbier beim Sport zuschauen kann. Und wenn jemand den Mut haben sollte, dies zu kritisieren, dann soll diese Kritik „im Keim erstickt werden – Basta“.
Und die Flugtickets nach Südafrika, die Unterkünfte und die Eintrittskarten sowieso … alles viel zu teuer in Südafrika. Da werden doch für drei Spiele inclusive Unterkunft fast €2000 verlangt, einschließlich des Flugtickets. Unverschämtheit. Und da ist noch nicht mal die Verpflegung dabei, außer halt dem Frühstücksbüfett im Hotel. Man muß sich dann wohl doch schon dort belegte Brote für den Tag mitnehmen. Nur so kann man den Südafrikanern zeigen, was man von ihren unverschämten Preisen hält.
Wieviel hätte eigentlich ein Südafrikaner zahlen müssen, wenn er 2006 zur WM in Deutschland hätte fliegen wollen? Angefangen von den Visagebühren, Zwangsumtausch, Hotelkosten zur WM in Deutschland, Tickets …. und unter Berücksichtigung der geringeren südafrikanischen Durchschnittseinkommen!
Und Kriminalität in Südafrika! Jeden Tag kann es jeden treffen. Und die Touristen sowieso, ja, man könnte schon fast davon ausgehen, dass ein richtiger Südafrikaurlaub zumindest einen Handtaschenraub vorweisen sollte – perfekt wäre es natürlich, wenn man den Lieben daheim von einem gefährlichen Raubüberfall berichten könnte. Da frohlockt das Herz des geltungssüchtigen Pauschaltouristen.
Herr Hoeneß, Ihr Verhalten ist – im günstigsten Fall peinlich. Man könnte auch schon fast von arrogantem Rassismus sprechen. Wie auch immer, wenn Sie eingeschnappt vor Ihrem Flachbildschirm sitzen, Weißwurst und Weizenbier trinken und hoffen werden, dass irgendwas in diesem schrecklichen Land Südafrika schief geht bei der WM, werden die Menschen hier am Kap jeden willkommen heißen, der uns respektvoll und fair entgegentritt. Und wir werden Fußball spielen. Spaß haben, Freunde kennenlernen. Sie und Ihre Borniertheit sind dann noch nicht mal mehr eine Randnotiz.
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Fast hätte ich zugestimmt
Da schreibt doch der Gabor Steingart folgendes:
Die G-20-Staaten bekämpfen die Krise, indem sie die nächste vorbereiten: Mit neuen Billionen auf Pump soll die Weltwirtschaft angekurbelt werden. Das offizielle Gipfelmotto lautete Stabilität/Wachstum/Arbeitsplätze – das wahre müsste heißen: Verschuldung/Arbeitslosigkeit/Inflation
Soweit so gut. Aber dann der obligatorische Hammer Richtung GW Bush:
Es gibt auch in der modernen Welt zwei Dinge, die kann kein Privatunternehmen aus eigener Kraft tun: Krieg führen und Geld drucken. Beides aber war die Antwort von George W. Bush auf die Terroranschläge vom 11. September 2001. Über seinen ersten Fehler, den Einmarsch in Bagdad, ist viel berichtet worden. Sein zweiter Fehler aber, die Weltwirtschaft mit Unsummen von billigem Geld zu überschwemmen, wurde bisher kaum gewürdigt.
Und schon stimmt das linke Weltbild wieder. Bush ist der böse Böse und von ihm kam, kommt und wird kommen alles böse Böse. Klaro?
Eine brillante Analyse liefert Joachim Steinhöfel in seiner wie immer stets verständlichen und trotzdem fundierten Art:
Die aktuelle Krise ist keine Krise des Kapitalismus. Sie ist eine Krise, die auf dem Platzen der Immobilienblase in den USA beruht. Darlehen, die mangels Kreditwürdigkeit niemals hätten gewährt werden dürfen, wurden gebündelt und als Zinspapiere mit hoher Rendite verkauft. Kein Käufer wusste, wer die Schuldner waren. Niemand wusste etwas über deren Zahlungsfähigkeit. Aber nahezu jedes Finanzinstitut in der Welt hat diese Papiere aus Renditegier erworben. Dann platzte die Blase. Am dümmsten stellten sich in Deutschland neben der Hypo Real Estate ausgerechnet die Banken an, die unter staatlicher Kontrolle standen. Die Landesbanken von Hamburg, Bayern und Sachsen. Die IKB verlor knapp 8 Milliarden an Steuergeldern. Größter Eigner ist die Staatsbank KfW. In ihrem Verwaltungsrat saßen im letzten Herbst auch die Bundesministern Glos und Steinbrück. Das die beinahe kollabierten amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fanny Mae und Freddy Mac ebenfalls quasi-staatliche Institutionen waren und sich besonders die Demokraten seit langem gegen deren immer wieder (zB von John McCain) geforderte Regulierung streubten, rundet das Bild erheblichen staatlichen Versagens ab.
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zwei Notizen zu Georgien
Henryk M. Broder: Hallo Friedensfreunde!
Zum ersten Mal ist ein Krieg schneller vorbei, als Ihr zu einer Demo loslaufen konntet. Nicht nur die Georgier, auch Ihr seid von den Russen kalt erwischt worden. Ja, wenn Putin und Medwedew ihren kleinen Feldzug eine Woche im voraus angekündigt hätten, dann hättet Ihr genug Zeit gehabt, Demos zu organisieren, Plakate zu malen (“No blood for oil”) und Protestresolutionen zu verfassen. Aber diesmal ging einfach alles zu schnell. Die “human shields”, die vor ein paar Jahren nach Bagdad aufgebrochen waren, um Saddam und seine Gang vor US-Bomben zu beschützen, kamen diesmal nicht aus ihren Schlafanzügen, den Arafat-Groupies, die sich mit dem “Rais” in der Mukata verbarrikidiert hatten, um den Endkampf nicht zu verpassen, war der Weg nach Georgien zu beschwerlich, und Konstantin Wecker, die Strafe Gottes für Christian Anders, ist schon zu alt, um zu Soli-Konzerten in Krisengebiete zu reisen. Also habt Ihr einfach nix gemacht und die Russen machen lassen. Außerdem war ja nicht klar, wer angefangen hatte, und bis diese Frage nicht entschieden war, wolltet Ihr Euch nicht festlegen.
Inzwischen wissen wir freilich ein bißchen mehr. Wir wissen, wie die Russen in Georgien plündern und rauben, wie sie alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt und vor allem: was sie von der Souveränität eines souveränen Landes halten, das nicht nach der Melodie tanzen will, die in Moskau gespielt wird. Ihr nehmt es den Russen auch nicht ab, dass sie zum Schutz der Osseten losmarschiert sind, denn als die Tschetschenen ihre Unabhängigkeit von Russland haben wollten, da haben die Russen Grozny plattgemacht, ohne dass Ihr auch nur einen Rülpser von Euch gegeben hättet. Das alles stört Euch nicht, verehrte Friedensfreunde, denn der Kampf für den Frieden ist für Euch nur eine Ausrede, um die Sau rauszulassen, die antiimperialistische, antiamerikanische, antizionistische linksalternative Friedenssau. Die wird mal durch Guantanamo, mal durch Gaza, mal durch Heiligendamm und immer wieder durch Eure Unterstände getrieben, die seit Jahren nicht mehr gelüftet wurden.
Zu Darfur fällt Euch nix ein, wenn ein Selbstmordattentäter in Algier 43 Menschen ins Jenseits befördert, schaut Ihr nicht mal auf; nur wenn ein paar Terroristen ihre nagelneuen Laptops versetzen müssen, um sich gebrauchte Kalaschnikoffs kaufen zu können, werden Eure Knie weich – ob der “menschlichen Katastrophe”, die sich vor Euch entfaltet.
Euch degenerierte Primaten zu nennen, wäre eine Beleidigung für jeden anständigen Gorilla. Ihr seid herzlose Zombies, kopflose Mutanten, enteierte Teppichklopfer. Ihr seid Ihr. Ihr habt Euch verdient.
Steinhöfel: Wir sind alle Georgier
Die Welt hat einen hohen Preis dafür gezahlt, Aggressionen gegen freie Länder unbeantwortet zu lassen. Ob Hitlers Einnahme des Sudetenlandes oder der Einmarsch sowjetischer Panzer im Prager Frühling dreißig Jahre später. Das ist die Antwort auf die Frage, was uns Georgien angeht.
Putin und seine Geheimdienst-Schergen haben den Krieg geplant, vorbereitet und zu verantworten. Warum werden zivile Einrichtungen und Pipelines bombardiert, wenn man vorgibt, nur seine Landsleute schützen zu wollen? Georgiens einziger Fehler war es, eine junge, pro-westliche Demokratie an Russlands Grenze zu sein. Putin will die Macht des verendeten Sowjetimperiums wiederbeleben. Die Ukraine, Polen und die baltischen Staaten kennen die Russen. Sie haben verstanden. Erst Georgien, dann sind wir an der Reihe. Ihre Staatschefs flogen als erste nach Tiflis, um sich an die Seite Georgiens zu stellen.
Aber vielleicht haben Putin und seine Marionette Medwedew überzogen. Nachdem Deutschland zunächst bremste, setzt sich Kanzlerin Merkel jetzt deutlich für einen Nato-Beitritt Georgiens ein. Polen unterschrieb den Vertrag über eine Raketenabwehr mit den USA. Sogar ein Rauswurf Rußlands aus den G-8 wird diskutiert. Die aktuelle Krise zeigt auch, warum Altkanzler Schröder für die wohl katastrophalste Phase deutscher Außenpolitik der Nachkriegszeit mitverantwortlich war. Er gibt Georgien die Schuld am Konflikt. Unappetitliche Ergebenheitsadressen von Putins bezahltem Lobbyisten.
‘Der Spiegel’ und der Rassismusvorwurf
Mehrfach wurde ich gebeten, doch mehr zu meinem Land zu schreiben. Momentan allerdings bin ich etwas im Stress, unser Kindergarten African Giggles hat seine Tore geöffnet und auch hier am Kap gibt es bürokratische Hürden die viel Zeit und Energie kosten. Deshalb hier erstmal ein alter Artikel (Dezember 2006), geschrieben als Antwort auf diesen Bericht eines deutschen Gaststudenten an der Uni Stellenbosch.
Alexander Schwan ist seit fünf Monaten in Südafrika. Er hat sich, bewusst oder unbewusst, die Universität mit der besten Reputation gewählt. Das ist gut und richtig so. Und wenn er vorher in Maastricht studiert hat, spricht er bestimmt auch etwas flämisch – das macht seine Wahl der Uni Stellenbosch noch logischer. Denn dies ist die einzige Universität in Kapstadt, an der noch zum großen Teil auf Afrikaans gelehrt wird, einer Sprache, die dem Flämischen ähnlich ist. Alexander beschreibt in seinem Artikel die Schönheiten der Kapregion, die Weinproben und majestetischen Berge.
“Abends bei Straußenfilet und Cabernet Sauvignon dem Plätschern des Wassers am Eerste River lauschen und den vom Sonnenuntergang rot erstrahlten Tafelberg am Horizont ausmachen – das ist der paradiesische Teil”.
Es geht ihm also gut. Wenn, ja wenn da nicht seine rassistischen Kommilitonen wären, die das beschauliche Bild störten. Nein, sie mögen keine Rapmusik, weil die von Schwarzen gemacht wird. Ich stell mir grad vor, wie die Unterhaltung gewesen sein könnte: “No, don’t like it, its black music.” Zugegeben, ich mag auch keine Rapmusik und ja, diese wird vorwiegend von Schwarzen gemacht. Alexander allerdings hat ein festes Weltbild und dieses schreibt ihm vor, dass seine Kommilitonen Rapmusik aus rassistischen Gründen und nicht einfach wegen eines anderen Musikgeschmacks ablehnen. Basta. Denn sie sind weiß und die anderen sind schwarz – die Rollenverteilung gut und böse ist klar.
Ich lebe hier in Südafrika und ich bin begeistert von diesem, meinem Land. Seit den Wahlen 1994 hat sich vieles geändert – und Alexander, dies sind erst 12 Jahre. Was hast Du erwartet ? Du schreibst von einer ohnmächtigen Wut, wenn Du an den Townships vorbeifährst. Wusstest Du, dass unsere Regierung im nächsten Jahr 23 Milliarden Rand (€ 2.6 Milliarden) für den Bau von 500.000 Häusern für schwarze Südafrikaner ausgeben wird? Wusstest Du, dass unsere Regierung den Steuerfreibetrag für die unteren Einkommensschichten auf 40.000 Rand (€ 4500) erhöht hat? Wusstest Du auch, dass unsere Regierung trotzdem das Defizit vor Neuverschuldung auf 7.9 Milliarden Rand und somit auf ein halbes Prozent des Bruttozialproduktes verringern konnte? Dir als VWL-Studenten sollten solche Zahlen etwas sagen. Dir als Gast in unserem Land sollte mit den Erfahrungen, die Du hier machst, klar sein, dass die Lebensbedingungen ALLER Südafrikaner nicht in einer Dekade angeglichen werden können. Erwartest Du nicht etwas zuviel ? Um noch eine Zahl zu nennen: trotz all der Ausgaben und Steuersenkungen für untere Einkommensschichten ist unsere Inflationsrate stabil unter 4 %.
Unsere Regierung und die Menschen in unserem Land arbeiten an einem neuen Südafrika. Es werden Fehler gemacht, aber auch Fortschritte. Alles braucht eben Zeit. Gib uns doch eine Chance. Du schreibst von Deinen rassistischen Kommilitonen. Alexander, diese müssen ihr Studium selbst bezahlen, mit der Aussicht, danach in ihrem Heimatland keine Arbeit zu finden. Dies nennt man BEE (Black Economic Empowerment) und macht es einem Weißen so gut wie unmöglich, eine Anstellung in der Wirtschaft zu finden. Wie würdest Du Dich verhalten, wenn Du – der Du sicherlich Deinen Aufenthalt hier in Südafrika über ein Stipendium finanzierst – gezwungen wärst, Deine Heimat zu verlassen? Alexander, hast Du jemals versucht, Dein Weltbild in Frage zu stellen und die Situation der Weißen hier in Südafrika zu verstehen? Und vergiss nicht, es waren die Weißen, die beim Referendum 1993 für die Abschaffung der Apartheid gestimmt haben.
Die Uni in Stellenbosch versuche krampfhaft, Afrikaans als Lehrsprache zu behalten – schreibst Du. Ich frage Dich: Was ist falsch daran? Warum kann es neben zwei englischsprachigen Universitäten in Kapstadt nicht auch eine afrikaanssprachige geben? Afrikaans ist die am meisten gesprochene Sprache im Westkap. Haben die Menschen hier nicht ein Recht darauf, eine Hochschulausbildung in ihrer Muttersprache zu absolvieren ?
Die Townships haben es Dir ja besonders angetan. Alexander, es gibt solche Siedlungen auch in Brasilien oder Asien. Dies hat mit Landflucht und dem Streben nach einem besseren Leben zu tun. Warst Du je in einem Township hier am Kap ? Weisst Du, dass – im Gegensatz zu vergleichbaren Siedlungen in Brasilien – diese alle Strom, fließendes Wasser und städtische Dienstleistungen wie Müllabfuhr etc. haben. Übrigens zum großen Teil nach einer Gemeindestrukturreform – mitfinanziert durch die wohlhabenden Gegenden um Camps Bay. Wusstest Du, dass zum Beispiel Helen Zille, unsere (weiße) Bürgermeisterin, eigentlich lieber Häuser für die Armen bauen wollte, als Milliarden für die Fußballweltmeisterschaft 2010 auszugeben? Alexander, ich möchte das Leben in den Townships nicht schönreden. Aber gib uns Zeit, die Lebensbedingungen auch dieser Menschen zu verbessern.
Du schreibst, dass Du hier an der Uni in Stellenbosch unter anderem an einem Seminar Probleme bei der Errichtung einer demokratischen Nation in Südafrika seit 1994 teilnehmen konntest. Eigentlich hättest Du unser Land, unsere Probleme und unsere Perspektiven besser verstehen sollen, als Du dies in Deinem Artikel zum Ausdruck gebracht hast.
Wenn Du das nächste Mal bei Straußenfilet und Cabernet Sauvignon dem Plätschern des Wassers am Eerste River lauschst, versuch doch mal, die Menschen in Südafrika zu verstehen – alle Rassen – denn wir sind eine Nation und haben bisher viel erreicht, von dem man vor dem Abschaffen der Apartheid noch nicht einmal träumen konnte.
Veröffentlicht in Jens von Wichtingen, South Africa | Schlagwörter:Der Spiegel, Jens von Wichtingen, South Africa
Gedanken zu einem Artikel im Spiegel
Zwei Jahre vor der Fussball WM scheint es, als ob man sich in allen Redaktionsstuben Europas übertreffen will im Herbeireden einer südafrikanischen Katastrophe. Untergangsstimmung wird erhofft – oder zumindest ein medialer Handtaschenraub. Dies passt ins globale Bild und wird so von den Lesern erwartet – und gemessen an den gefühlten Verschlechterungen der eigenen Lebensumstände wären zumindest Bilder hungernder Kinder aus Afrika angebracht. Es ist unmöglich diese Fotos aus Südafrika zu besorgen, dort hungert niemand. Der seit 1994 herrschenden ANC Regierung ist es mehr oder weniger gut gelungen, die wichtigsten Probleme zu lösen. So haben jetzt 90 Prozent der Bevölkerung einfachen Zugang zu fliessend Wasser und zu Elektrizität. Es gibt ein, wenn auch noch weitmaschiges, soziales Netz und Sozialleistungen, zum Beispiel einen Mindestsozialhilfesatz von R800. Es gibt – endlich – ein arbeitnehmerfreundliches Arbeitsrecht und unzählige staatliche sowie private Initiativen zur Verbesserung der Lebensumstände des einfachen Südafrikaners.
AIDS
In Südafrika erhalten 510 000 Menschen antiretrovirale Medikamente – dies ist für ein Schwellenland eine enorme finanzielle und – bedenkt man dass Südafrika ein Agrarland ist – eine brillante logistische Leistung. Und es scheint, dass man auch in südafrikanischen Regierungskreisen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.
AUSWANDERER
Wenn 50 000 Weisse Südafrika verlassen, dramatisiert man und nennt dies Brain Drain. Wenn letztes Jahr 230 000 Deutsche ihre Heimat verlassen, begründet man dies mit Globalisation. Es stimmt: viele der südafrikanischen Auswanderer verlassen das Land wegen der extremen Kriminalitätsrate und weil sie für sich und ihre Familien keine Zukunft mehr sehen. Kann es aber nicht einfach nur ein Zeichen der Zeit sein, die Möglichkeiten zu nutzen die sich eben aus der Globalisierung ergeben und woanders neu zu beginnen, weil man glaubt dass dies dort besser klappen wird? Was hat man in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts für Möglichkeiten gehabt, an einem anderen Ort dieser Welt Fuss zu fassen? Eher weniger. Und wenn man dann doch den Mut hatte, war dies ein normalerweise unwiderruflicher Entschluss. Man konnte nicht so wie heute mal schnell in den Flieger und für einen halben Monatslohn ins Herkunftsland zurückfliegen.
LEBENSMITTEL- UND STROMPREISE
Gestern hatte der Gewerkschaftsdachverband Cosatu zum nationalen Streik und damit verbundenen Demonstrationen aufgerufen. In Kapstadt wurden 30000 Teilnehmer erwartet – trotz strahlendem Sonnenschein kamen lediglich um die 10 000. Demonstrieren wollte man gegen eine extreme Preiserhöhung beim nationalen Stromkonzern Eskom (bis zu 55 %) und gegen die (auch) in Südafrika gestiegenen Lebensmittelpreise. Dieses eigentliche globale Problem wird von den Südafrikanern, die an einen staatlich regulierten Markt bei Grundnahrungsmitteln und Benzin gewohnt sind, der Regierung zur Lösung überantwortet. Das dies nicht von dieser gelöst werden kann, sondern eher ein Problem des Marktes ist, ist dem Südafrikaner noch nicht bewusst.
Zuma
Das Land ist gespalten. Er ist ein Populist, er sagt, was die Massen hören wollen. Aber: tun dies nicht die meisten Politiker? Ob sie nun Obama oder Merkel oder Lafontaine heissen …nur bei Zuma scheint die Presse andere Massstäbe anlegen zu wollen. Er darf keine Fehler machen, er darf, nachdem ihm Tausende zugejubelt haben, schon gar keine alten Kampflieder anstimmen.
Wenn auf dem Die Linke SED Parteitag in Berlin die Internationale angestimmt und ‚zum letzten Gefecht’ aufgerufen wird, ist dies OK. Wenn Zuma in einem Lied nach seinem Maschinengewehr fragt, ist dies eine Meldung für die paranoide Weltpresse. Warum werden ständig verschiedene Massstäbe angelegt bei der Beurteilung der meist relativ ähnlichen Situation?
Man kann Zuma viel vorwerfen. Zum Beispiel seine Bemerkung über gründliches Duschen nach dem Sex mit einer HIV-positiven Frau. Gerade ihm als Respektperson, weil die Massen ihm glauben, ihn wörtlich nehmen. Und er dies weiss. Aber auch deutsche Politiker geben öfters ohne Teleprompter dummes Zeug von sich und kein Mensch in Südafrika würde deswegen einen aufkommenden Bürgerkrieg in Deutschland vermuten. Wie gesagt, Zuma ist ein Populist. Aber er ist ein Mann, der aus der Masse kommt, der die Nöte der Menschen am Kap kennt und verspricht, sich ihrer anzunehmen. Und dies sollte reichen, ihm eine Chance zu geben. Es dürfte ausgesprochen schwierig für ihn werden, grössere Fehler als Mbeki zu machen.
Man wirft ihm jetzt Korruption vor. Dies mag aus formal rechtlichen Gründen wohl auch so gewesen sein, das Gerichtsverfahren wird es klären. Aber man sollte eben nicht nur mit dem europäischen Zeigefinger auf Afrika zeigen und Bestechung/Korruption am Kap verteufeln. Zur Bestechung gehören immer zwei, und im Zuma-Fall ist die andere Partei eine französische Rüstungsfirma. Zuma könnte sich – den Massen am Kap durchaus verständlich – mit afrikanischen Bräuchen entschuldigen. Wenn man vom Stammeschef etwas will, bringt man ihm Geschenke. Und so hat Zuma (falls es denn wirklich so gewesen sein sollte) ein Geschenk angenommen um das Projekt des Schenkers wohlwollend zu begleiten. Dies ist in Afrika gang und gäbe und so erklärt sich auch das offensichtlich fehlende Unrechtsbewusstsein.
Welche Entschuldigung hat die französische Rüstungsfirma? Oder Siemens? Oder Mercedes Benz? Oder ….
Es gibt in Südafrika das erste Mal seit Menschengedenken eine stabile, funktions –und wehrfähige Demokratie. Fehler werden gemacht, allerdings werden auch diejenigen, die Fehler machen, zur Rechenschaft gezogen. Das Volk nimmt seine demokratischen Rechte wahr, es organisiert sich in Parteien, in Gewerkschaften, es demonstriert wenn es unzufrieden ist. Man hat gelernt, dass man als Bürger Rechte hat. Und dass man für diese eintreten muss, dass es selbst in einer Demokratie wie der am Kap der Guten Hoffnung notwendig sein kann, diese Rechte auf der Strasse einzufordern. Dass dabei Jugendliche unter Umständen übertreiben und Autoreifen verbrennen ist bedauerlich, aber ebenfalls aus Städten wie Berlin und Hamburg bekannt. Nur wenn dies in Südafrika geschieht, wird vor dem Versinken im Chaos gewarnt.
Wenn der Cosato Chef für die Provinz Eastern Cape, Xolani Pakati, jubelt: “Bei uns ist jede wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen gekommen. Wir sind so glücklich, dass wir das geschafft haben.” erwartet man beim Spiegel den Zusammenbruch des Landes. Wenn dies der Verdi Chef beim jüngsten Lufthansastreik sagt, schaut man lediglich auf das Börsenbarometer.
Wenn Nina Gunic, die Sprecherin der österreichischen Linken laut von Enteignung der Industrie träumt, wird dies als Randnotiz abgetan. Wenn der Chef der ANC Jugendliga Julius Malema sagt: “Zuma ist das Opfer einer politischen Verschwörung unter Führung von Staatspräsident Thabo Mbeki. Wir sind bereit, für Zuma zu sterben“, schaut man in den deutschen Redaktionsstuben nervös auf den Nachrichtenticker.
Im Unterschied zu Deutschland und Europa hat man in Südafrika erst seit 14 Jahren Erfahrungen mit Demokratie machen können. Und im Unterschied zu Europa nehmen die Menschen am Kap ihre Rechte noch wahr. In Deutschland sitzt man lieber abends am Stammtisch und schimpft auf ‚die da oben’.
Welche Option ist wohl die bessere?
Veröffentlicht in Jens von Wichtingen, South Africa | Schlagwörter:Der Spiegel, Presse, South Africa
Apple brigade – kidz program in Cape Town
In 2007, my company Cape Studies launched a children’s volunteer project called: “Cape Studies Apple Brigade”. The aim of this project is to build a bridge between our foreign students and underprivileged children from Kalkfontein, which is a multi-cultural township situated at the foot of the Stellenbosch mountains. Students spend some time interacting and playing with these children using English to embrace diversity and discover our common humanity. This project takes place every second Wednesday from 4 pm – 6 pm.The meeting point is at the school.
In the near future we will extend this project to mostly catholic youth groups from the townships. Stay on for more information.
more pics on next side…
Veröffentlicht in Jens von Wichtingen, My projects, South Africa, apple brigade | Schlagwörter:apple brigade, Cape Studies, Jens von Wichtingen, South Africa
African giggles – kindergarten for Africa
Stanford, Western Cape: the Kindergarten is open to children from all cultural and language groups in the surrounding areas and all types of sponsorship are welcome, whether sponsoring of an individual child or an subject that encourages cultural understanding amongst the children and their parents. This project aims to give the underprivileged children within this area an equal opportunity to this wonderful learning adventure.
You will find lots of information at African Giggles – kindergarten for Africa
Veröffentlicht in Jens von Wichtingen, My projects, South Africa, kindergarten | Schlagwörter:Cape Studies, Jens von Wichtingen, kindergarten, South Africa















